| Die Geschichte vom deutschen Banyan Baum | Juliane
Heise 2004 <-- zurück
zur Banyan Seite |
||
|
Als Alfred Banze mich zu seinem Banyan Projekt eingeladen hat, wusste ich wenig über den Banyan Baum. Ich überlegte woran er mich erinnert.
|
|
|
| Zuerst fielen mir die karierten Schärpen ein. Baumbinden könnte
man sie auch nennen. Als ich 1994 in Indonesien unterwegs war, genauer auf
Bali, sind mir Bäume aufgefallen, weil sie mit einem Tuch umwickelt
waren. Ein Tuch aus schachbrettartig weiß schwarz kariertem Stoff.
Diese bekleideten Bäume hatten mir gefallen. Die Bedeutung dieser Verkleidung kannte ich nicht, der Blick auf einen solchen Baum war natürlich ein anderer. Irgendwie sahen sie bedeutungsvoll aus diese karierten Stämme. Waren diese Tücher eine Geste des Respekts, des Beschützens? |
|
|
|
Auch Balinesen selber trugen hin und wieder die gleichen Schärpen.
Gibt es einen Bezug zu den Bäumen? Auf Bali ist der Hinduismus verbreitet und so lag es nahe eine rituelle Bedeutung in Beziehung zu dieser Religion zu vermuten.
|
|
|
|
Auch der Wald als solcher hat eine spezielle Bedeutung, wurde er doch
als Ursprung des Lebens gesehen und war deshalb heilig. |
|
|
| Bis heute hat dies eine Wirkung auf die Art wie mit Natur umgegangen wird, man denke z.B. an die Naturschutzgebiete. |
![]()
|
|
| Im Folgenden stelle ich einige dieser Bäume und ihre besondere Bedeutung in der germanischen Mythologie vor: | ||
|
Zuerst die Birke:
|
|
|
|
Als Zweite die Esche:
|
|
|
|
3. der Apfelbaum.
Der Apfel ist die einzige Obstart, die bis nach Skandinavien natürlich verbreitet ist. Die in keltischer und germanischer Mythologie übereinstimmende Hauptbedeutung ist die Gesundheit, Jugend und Fruchtbarkeitsspendende Kraft des Apfels. Der Apfel ist en Symbol für Leben und Fruchtbarkeit sowie für (weibliche) Weisheit. Eine Göttin der Edda ist Idunn, die Gärtnerin der heiligen Äpfel, die den Göttern dauerhafte Jugend verleihen. |
|
|
|
4. Die Eibe: Alle Teile der Eibe sind giftig, sie ist aber immergrün, und ihre Beeren sind rot (Farbe des Lebens). Sie ist also ein Baum des Lebens und des Todes. Der Duft der Eibe hat anregende Wirkung auf den Geist, so dass sie ein Baum der Magie und daher ebenfalls ein Odinsbaum ist. Im Altertum spielte die Eibe im Totenkult sowie als Totenbaum eine Rolle, auch vor Blitzen und Dämonen sollte sie den Menschen schützen.
Heutzutage findet man die Eibe oft auf Friedhöfen. |
|
|
|
5. Der Haselstrauch:
|
|
|
|
6. Die Buche.
|
|
|
|
Zuletzt die Eiche:
|
|
|
| Die Baumverehrung war lange Zeit selbstverständlich und weit verbreitet,
bevor die christliche Missionierung einschritt. Heutzutage werden die Bäume
nicht mehr direkt verehrt. Aber man produziert kleine Objekte aus dem Holz,
die dann in heimischen Vitrinen, man könnte sie auch Altäre nennen,
zur Verehrung aufgestellt werden. Diese Art der Verehrung ist natürlich sicherer und einfacher. So müssen die Menschen nicht mehr den weiten und gefährlichen Weg in den Wald beschreiten. Zu jeder Zeit besteht die Möglichkeit ehrfurchtsvoll durch diese kleinen nutzlosen Gegenstände den Bäumen zu gedenken.. |
|
|
|
Aber zurück zu den karierten Stämmen auf Bali und den geschmückten Banyan Bäumen in Asien.
|
![]()
|
|
|
Auch bei uns gibt es geschmückte Bäume, nicht mit Stoffbahnen aber mit bunten Kugeln und Silberfolie. Mitten im Winter werden Fichten und Tannen aus dem Wald in die Häuser geholt und dekoriert.
Hier legt man den Bäumen aber keine Geschenke oder Opfergaben zu Füßen- es ist umgekehrt- nachdem der Baum geschmückt wurde, finden die Menschen am nächsten Tag viele Pakete mit Geschenken für sich selber unter dem Baum. |
![]()
|
|
| Am Ende des langen kalten Winters, wenn die Tage dann wieder länger werden, der Schnee halbwegs getaut ist, werden draußen im Garten Bäume und Sträucher geschmückt. Dann halten es die Menschen wohl nicht mehr aus, zu lange haben sie auf graue nackte Äste geschaut. Bevor sich die ersten grünen Blätter zeigen, behilft man sich mit ausgeblasenen und bunt angemalten Eiern, Papiervögeln und anderer Dekoration. |
![]()
|
|
|
Ein weiterer deutscher Banyan fällt mir noch ein, es sind hohe kräftiger Stamm. Man findet ihn nicht im Wald sondern in der Mitte der Dorfplätze. An seinem Kopfende trägt er eine große bunte Krone. Im Mai
versammeln sich die Dorfbewohner um diesen Stamm, es wird darunter getrunken
und später dann auch gesungen. Das ist der Maibaum. |
|
|
|
|
||
| Das sind unsere geschmückten Bäume aber wie ist das mit der Schärpe? Gibt es sie auch in unseren Breiten? Es gibt sie. | ||
|
Gehe ich durch einen Forst, sehe ich auch verzierte Bäume.
Kleine rote, gelbe, blaue Bänder oder gar aufgemalte Banderolen in
giftgrüner Farbe.
|
|
|
| Im Gegensatz zu den karierten Stämmen auf Bali oder den geschmückten Banyan in Thailand, habe ich bei uns an den markierten Bäumen auch nie Blumen oder Kerzen gefunden, keine Zeichen ritueller Handlungen oder Verehrung. |
![]() ![]()
|
|
|
Im Gegenteil, statt der Verehrung haben diese Banderolen etwas Bedrohliches, markieren sie doch so eine Art Todesurteil für die betroffenen Bäume.
Ich habe mir erklären lassen, dass solche Bäume Messbäume sind. An ihnen wird der Zuwachs des Stammdurchmessers in regelmäßigen Abständen verfolgt. Wenn der Stamm den richtigen Umfang hat wird er und seine gleichaltrigen Genossen gefällt. Erinnert das nicht an Hänsel und Gretel, dem Märchen der Brüder Grimm? Dort müssen die Kinder ihre Finger durch die Gitter der Stalltür stecken, in dem die Hexe sie gefangen hält. Sind sie fett genug sollen sie verspeist werden. |
|
|
| An den Waldwegen findet man große Holzstapel, schön und gerade
zu imposanten Holzwänden geschichtet. Darauf finden sich dann wieder
die kreisförmigen Marken. |
|
|
|
Und auch an Straßen sieht man merkwürdige Zeichen, keine farbigen, nur diese weißen Ringe. |
|
|
|
|
||
|
Mir haben die Schärpen auf Bali besser gefallen als die neonfarbenen Kringel auf unseren Bäumen.
Mit dem schwarz-weißen Stoff der Hindus habe ich wenig gemein. Deshalb habe ich für meine Schärpe ein anderes Material gewählt. Meine Schärpe ist für alle Banyan Bäume, die Alfred auf seiner Reise entlang des Banyan-Vegetationsgürtels getroffen hat. Sie besteht aus einem 6 x 2 Meter großen genähten Plastik Band, einem rot, weiß blau gestreiften stabilen Kunststoffgewebe. |
|
|
|
Das rot weiß blau gestreifte Kunststoffgewebe ist ein Material, dass mir immer wieder im Alltag begegnet, so muss es doch eine wichtige Bedeutung haben und sehr beliebt sein
|
||
| Als Bauplane ist es geradezu omnipräsent in den Straßen Vietnams. Es dient als Regenschutz und sogar Häuser werden daraus gebaut. |
![]()
|
|
![]()
|
||
|
In Berlin sieht man das Material auch, aber in anderer Form. Es gibt riesige Taschen aus den Streifenstoff man sieht sie auf den Märkten, in den Straßen und auch auf dem Flughafen blitzt das rot, weiß und blau auf den Airport Trollies. Das Streifenplastik steht in Verbindung zu Reisen und Handel. Es ist ein durch und durch zeitgenössisches Material. |
![]()
|
|
![]()
|
||
|
So hätte ich natürlich auch eine Tasche von Alfred an den Stamm hängen lassen können, aber eine gestreifte Schärpe passt besser. Bäume verreisen ja schließlich nicht. |
|
|
| Aber diese gestreifte Banderole ist nun mit Alfred im Frühjahr 2004 von Berlin über Tahiti, Australien, Indonesien und Thailand gereist und hat auf diesen Weg viele Banyans dekoriert. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|