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Orte rücken
zusammen
Distanzen werden
relativ - Zeit eine
andere Karte zu
entwerfen
Bewegt man sich
von A nach B nimmt
man oft eine Karte
zur Hand. Wo befindet
sich der Ort, das
Ziel meiner Reise?
Eine Landkarte,
ein Atlas, ein Globus
helfen dabei sich
eine Vorstellung
zu machen. Was ich
sehe ist eine farbige
Fläche, Punkte
für Orte, Linien
für Flüsse,
topografische Kreise,
die erkannt werden
wollen. Mein Bild
von der Welt ist
davon geprägt,
aber eigentlich
ist dieses Bild
ein abstraktes.
Deckt es sich mit
meinen Erfahrungen,
die Welt wahrzunehmen,
wenn ich mich auf
ihr bewege?
Reisen ist ein langsamer
Prozess, wie das
Wort selbst auf
der Zunge, zergehen
auch die Kilometer
langsam in der Bewegung.
Gehe ich, so sammeln
sich auf kurzen
Distanzen viele
detaillierte Bilder
entlang der neuen
Wege. Fahre ich
mit dem Fahrrad,
wird der Blick schon
flüchtiger,
das Auge fokussiert
nicht die Details.
Bewege ich mich
mit dem Auto, dem
Zug fort, löst
sich die Welt noch
gröber auf.
Ich überwinde
größere
Distanzen in kürzerer
Zeit und nehme den
Weg weniger präzise
wahr. Je schneller
desto kürzer
der Weg. In der
Wahrnehmung rücken
die Orte zusammen.
Extrem wird es beim
Fliegen. A und B
verschmelzen. Sieben-,
achthundert Kilometer
sind wie zwanzig.
Ein Augenblinzeln
und ich bin an einem
anderen Ort, kein
Weg dazwischen,
nichts was ich als
Reise bezeichnen
könnte.
Dienen mir da noch
Landkarten, beschreiben
sie meinen Weg?
Hanoi liegt doch
direkt neben Berlin
und ebenso Bangkok,
Bielefeld dagegen
ist so weit und
erst recht München,
Stunden um Stunden
graue Autobahnkilometer.
Es wird Zeit eine
andere Karte zu
zeichnen, eine die
Distanz in Zeitdimensionen
wiedergibt.
Die Installation
Im Raum finden sich
leuchtende Punkte,
viele grüne
und einige blaue.
Diese Leuchtdioden
und die dazugehörigen
Kabel sind innerhalb
eines von uns definierten
Raumgitters, einem
Koordinatensystem
aus Achsen für
Entfernung in Zeit,
Jahreszahlen und
geographischen Koordinaten,
angeordnet.
Die Punkte repräsentieren
Orte unserer künstlerischen
Biographie, wie
sie sich in den
zehn Jahren von 1994
bis 2004 gesammelt
haben.
Blau für die
Ausgangsorte, grün
für die Destinationen.
Juliane Heise, Michael
Vorfeld, Berlin,
August 2004 |