Weg Zeichen

Karte mit Stephan Kurr als Besucher
Wege Alte Feuerwache Detail Wegzeichnung
Wenn man auf dem Gipfel eines hohen Berges steht, wie zum Beispiel in den Alpen, kann man bei klarer Sicht auf die Schneefelder der darunter liegenden Gletscher blicken. Oft sind dort Spuren zu sehen. Fußstapfen von Wanderern. Diese Spuren verlaufen nicht zufällig, beliebig und durcheinander. Sie folgen nicht markierten Wegen, die zwischen den Gletscherspalten hindurchführen. Die Wege haben ein Ziel, sie führen zu Hütten, zu anderen Gipfeln und wiederum zu anderen Wegen. Diese Spuren im Schnee sind Zeugnisse vermutlich schönster Momente genussvollen Bergwanderns im unendlichen Weiß. Mein Blick darauf verbindet mich mit diesen vergangenen Ereignissen, fast war man selber dabei.
In der Stadt gibt es keine Gipfel. Selbst wenn es sie gäbe, man könnte ja das höchste Haus oder den Fernsehturm als einen solchen nutzen, so gibt es dennoch keine Spuren zu sehen. Die Wege der Menschen in der Stadt zeichnen sich nicht ab, manifestieren sich nicht in Abdrücken. Der harte Asphalt erlaubt kein Einsinken. In der Stadt folgt man vorgesehenen und präparierten Wegen auf einem geplanten Straßennetz. Und dennoch - es wäre schön, hier das sich abzeichnende Netz von Wegen sichtbar zu haben, Fährten zu sehen und so in die Zeit zurückblicken zu können.
Meine Wege sind nicht durch ein planloses Umherschweifen entstanden. Sie sind kein Zeugnis einer Flaneurin. Alle Wege hatten ein Ziel. Diese Stadt veranlasst mich nicht zum absichtslosen Umhertreiben. Punkt A und B will erreicht sein.

Juliane Heise, März 2004